Sammlung Musikgeschichte
Max-Reger-Archiv
der Meininger Museen
Hans von Bülow, 1884, B 393
Hans von Bülow
1884, B 393
Max Reger, 1911, RA 6 Wilhelm Berger: Portrait von R. Wernicke, undatiert, V 11849 Wilhelm Berger: Portrait von R. Wernicke, undatiert, V 11849
Sammlung

Die kostbaren Bestände aus dem Notenarchiv der Meininger Hofkapelle, dem Hennebergisch-Altertumsforschenden Verein, dem Archiv des Henneberger Sängerbundes sowie aus der Herzoglich-Öffentlichen Bibliothek wurden um 1930 von dem Musiklehrer Ottomar Güntzel zu einer Sammlung gebündelt. In einer ersten ständigen Ausstellung formulierte und visualisierte er grundlegende Aussagen zum Thema. Vor allem durch persönliche Kontakte gelang es dem zunächst ehrenamtlich tätigen Güntzel darüber hinaus, neben aufschlußreichen Briefautographen von Brahms, Richard Wagner, Henri Marteau und Arthur Nikisch auch andere wertvolle Stücke aus den Nachlässen des Hofkapellmeisters Hans von Bülow (1830-1894), des Brahms-Klarinettisten Richard Mühlfeld (1856-1907) und der Berliner Sängerin Auguste von Faßmann (1808-1872) hinzuzugewinnen. Auch zu Richard Strauss (1846-1949) hielt er über Jahre einen fruchtbringenden Kontakt.

Einen besonderen Coup stellte nach dem Ende des zweiten Weltkrieges zweifellos die Angliederung des 1920 von Elsa Reger in Jena gegründeten, umfassenden Max-Reger-Archives dar, das 1948 in Meiningen eröffnet wurde. Neben 26 nachweisbaren Notenautographen von Regers Hand enthält es u. a. zahlreiche Erstdrucke mit handschriftlichen Einzeichnungen Regers sowie über 50 Dirigierpartituren aus seiner Meininger Amtszeit (1911-1914). Bemerkenswert ist darüber hinaus die Fülle an Korrespondenz mit prominenten Zeitgenossen und persönlichen Dokumenten wie Urkunden, Postausgangsbüchern und den von Elsa Reger angelegten Konzertkalendern.

Für einen weiteren Schatz der Meininger Sammlung interessierte sich auch Reger nachweislich. Gemeint ist die heute weltweit umfangreichste Sammlung barocker Vokalmusik Wiener Provenienz, die Herzog Anton Ulrich von Sachsen-Meiningen (1746-1763) auf seinen Wien- und Italien-Reisen ab den 1720er Jahren anlegte. Die Kollektion umfaßt gewissermaßen die "Schlager" der damaligen Habsburger Hofmusik aus den Bereichen Oper, Oratorium, Kantate und Serenade. Enthalten sind u. a. eine Vielzahl von Kompositionen von Antonio Caldara, Johann Joseph Fux und Francesco Conti. Für Praktiker und Wissenschaftler von besonderem Interesse sind selbstverständlich die darin enthaltenen rund 90 Unikate. So wird Ignaz Holzbauers Oper "Hypermnestra" (1741) beispielsweise momentan von Prof. Dr. Lawrence Bennett (Crawfordsville) in der Reihe "Denkmäler der Tonkunst Österreichs" herausgegeben.

Zu den in jüngerer Zeit erworbenen Schätzen zählen neben den Nachlässen der Hofkapellmeister Wilhelm Berger (1861-1911) und Karl Piening (1867-1942) auch die unter Brahms und Fritz Steinbach benutzten Orchestermaterialien zu den vier Brahms'schen Sinfonien. Der eng mit dem Komponisten befreundete Fritz Steinbach dirigierte die Werke nach dessen Wünschen und entwickelte sich aufgrund der Authentizität seiner Interpretationen zu einem "Brahms-Apostel", weshalb das mit zahlreichen Eintragungen versehene Stimmenmaterial auch eine einzigartige Quelle für die Brahms-Forschung darstellt und beispielsweise für die momentan von Prof. Dr. Robert Pascall (Nottingham) erarbeitete Gesamtausgabe der 4. Sinfonie herangezogen wird.

© 2008 Sammlung Musikgeschichte / Max-Reger-Archiv der Meininger Museen